Koksversationen

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Geliebter Kewagi!

Jede Revolution, jeder Aufstand, jeder geworfene Stein und jeder aus dem Land gejagte Politiker ist ein weiterer Schritt in der Evolution der Freiheit. Man muss diesen Bewegungen immer auch kritisch gegenüberstehen, frisst die Revolution nicht umsonst ihre eigenen Kinder. Unsere Brüder und Schwestern in Ägypten machen es prinzipiell richtig, räumen sie Tahir nicht und protestieren weiter. Ja, Mubarak ist weg, aber das Militär als Regierung? Ändert sich das nicht schleunigst, dann wird der libysche Friedhof bald gen Osten ausgeweitet.

Dennoch erfüllt es mich mit stolz. Waren nicht wir es, die vor wenigen Monaten genau das Andachten? Träumten wir nicht von den Massen auf den Straßen, das Lied der Freiheit auf den Lippen? Ich gebe ja zu, mein Zugang war radikaler, dazu stehe ich immer noch, denn der europäische Umsturz wird nur - das behaupte ich - auf die harte Tour umzusetzen sein.

Aber ja, wie soll man das Auslösen, wie soll man „die Anderen“ dazu bewegen, endlich aktiv zu werden? Wenn die Entwicklung wie bisher weiter geht, dann wird es dazu nicht viel bedürfen. Ich denke, das wird noch einige Jahre brauchen, dafür wird es dann Schlag auf Schlag gehen. Zuerst Griechenland, dann Frankreich, dann Italien, dann Deutschland und England, dann Österreich. Es wird ein Flächenbrand, ein Feuer, dass all das Alte verschlingt und dessen Asche uns als Dünger dienen wird.

Vielleicht sollten wir uns nicht zu sehr über das „wie“ den Kopf zerbrechen und mehr Gedanken über das „wohin“ formen. Sollte es zu einem Umsturz kommen - egal ob heute, in einem Jahr oder in einem Jahrzehnt - es muss ein sofort einsetzender Plan vorhanden sein, der ein Ziel weist, wohin die Reise gehen soll. Mit dem abdanken des letzten Systempolitikers muss jemand sagen „So geht’s weiter!“, denn ansonsten übernehmen jene das Ruder, die auf diesem Plan bereits sitzen, seit unsere Großväter ihre Kinder in Bombentrichtern begraben haben.

Selbst wenn es Bürgerkrieg bedeutet. Aber muss es so weit kommen? Ich hoffe nicht.

Ich grüße Dich,
O. Pryde, 23.02. 2.011 

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Werter Pryde!

Lang ist es her, viel ist passiert. Ewigkeiten, ja, Lebenszeiten sind ins Land gezogen, seit ich dir das letzte Mal geschrieben habe. Und in diesem Augenaufschlag einer Libelle im Kontext des Universums kam sie, diese Revolution, von der wir geträumt haben, über die wir Nächte diskutiert haben. Nur, natürlich nicht so, wie wir es vermutet hätten.

Wie ich schon andernorts geschrieben habe, sehe ich Aufstand inzwischen nicht als ein erschaffenes Konstrukt an, sondern als eine Naturgewalt, ein Phänomen so gigantisch und eminent wie die Gezeiten oder dieses gigantische Fusionskraftwerk, um das wir herumgondeln. Ganz egal, wo diese Bewegung jetzt herkam, und ganz egal, welche Drei-Buchstaben-Dienste involviert sind, waren oder sein werden: Momentan ist das hier ein populärer Aufstand. Und diesem wohnt immer das Chaos, dem wir uns verschrieben haben inne, diese reinste aller Urkräfte, aus der alles entstehen kann, wenn es nur die Entschlusskraft aufbringt

Nur, Kamerad, wie weiter? Was nun? Den Aufstand einfach so nach Europa portieren werden wir nicht können - zu unterschiedlich die Voraussetzungen, zu bequem noch unsere Kissen. Aber auch wir stehen hier am Abgrund - die Zeichen stehen auf Sturm, und wenn wir nicht bald die Bombe hochgehen lassen, überlassen wir nur den Kräften, die wir erst vor eineinhalb Leben zurückgedrängt haben, wieder das Feld. Und das darf nicht sein. Wir müssen mehr leisten, entschiedener zuschlagen, klarer handeln als früher, sonst werden wir genau so eine Versagergeneration wie die unserer Großeltern. Soweit darf es nicht kommen. Vincere aut mori.

Kewagi, Wien, am 22. Februar 2011

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Geschätzter Mitkämpfer,

Heute ist jener Tag, an dem ich zum ersten Mal seit Jahren wieder an einer Kundgebung/Demonstration teilnehmen werde. Meine prinzipielle Abneigung gegen dergleiche Veranstaltungen ist dir ohnehin bekannt, deshalb freut es mich, daran mit einem erfahrenen Demogänger wie dir daran teilzunehmen.

Als wir begonnen haben, Briefe zu schreiben und über weitere Zusammenhänge nachzudenken, wussten wir noch nicht, dass es in unmittelbarer Zukunft eine Kundgebung geben wird, welche sich inhaltlich so sehr mit unserer Denkungsweise deckt. Ich werte das als ein gutes Zeichen. Die Regime und ihre Handlanger in Finanz und Handel haben uns zudem in der „Affaire“ um Assange und Wikileaks stark in die Hände gespielt. Ob die Zeichen der Zeit auch bei Herr und Frau Österreicher endlich angekommen sind, werden wir ja heute Abend sehen. In Ungarn sägen sie im Moment ja jede Form der Pressefreiheit ab, wie ich in meinen Blog schon im offenen Brief von Herrn Bauer weitergeleitet habe. Zu sagen, bei uns wird es ebenfalls so weit kommen, ist zum derzeitigen Zeitpunkt wohl noch zu pessimistisch gegriffen, aber wir müssen wachsam sein, denn wer ausser unsereins hat denn noch ein Auge auf die libertären Grundwerte, deren Saat wir uns selbst in die Köpfe gepflanz haben?

Ich muss auch schon wieder schließen, da ich noch einiges Vorzubereiten habe. wir sehen uns später, bis dahin salutiere ich,

O. Pryde, 22.12. 2.010

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Schönster!

Ich schreibe dir diese Zeilen aus dem Rand meiner Wahrnehmung. Es kostet mich gerade sehr viel Kraft, ich zu sein - Ich, dieses wundersame Gefängnis, dass wir uns bauen, umgeben von tausend Ritualen und Regeln und Strukturen, die uns erinnern sollen an etwas, was nur Chimäre ist, was keine Gestalt hat. Spannend eigentlich.

Ja, es ist Krieg. Er tobt schon seit dem Anbeginn der Zeit, seit sich jemand erdreistet hat, das Sein in eine Kiste namens Zeit zu packen. Die Kräfte der Freiheit und des Lichts gegen die, die alles in Ordnung verwahren wollen, an dunklen Orten, hinter Mauern aus Geheimnissen und Lügen. Wir sind nur die aktuelle Iteration dieses Krieges, die Paladine, die Hüter unserer Zeit. Vor uns kamen Millionen, und nach uns auch, und wir sind Legion, Verteidiger der Zukunft. Ich äusserte mich erst kürzlichandernorts dazu. Scott schrieb so passend, es sei der Beginn eines Schattenkabinetts, das wir gründen, um schließlich unseren Machtanspruch - der Anspruch an ein Ende der Macht - endlich und wieder und klar durchzusetzen. 

Ich verrate dir wie es ausgeht - wir werden siegen. Der Weg ist noch unklar, das Resultat klar wie der Himmel an einem jungen Tag.

Und während wir Träger sind, nützen wir die Flammen. Lass uns diese ersten Tage des ersten globalen Informationskrieges nützen, um uns zu wärmen an der Hitze, und um in Brand zu setzen, was sie so achtlos ungeschützt gelassen haben. Eine Politik der verbrannten Erde, denn aus den Idealen dieser toten Welt können wir nichts ziehen.

Lass uns tanzen, Bruder, im Funken, der ein Feuersturm wird, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Ergötze dich am Gefühl kurz vor dem Inferno - diese Zeit hat ihr Ende gefunden, jetzt beginnt unsere.

Auf die Zukunft!

kewagi, 10.12.2010

Abgelegt unter weltenbrand zukunft

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Geliebter!

Auch wenn ich jetzt schon einige Tage keinen Brief mehr geschrieben habe, war ich nicht untätig. Zum einen erinnere ich an unsere Treffen letzte Woche - jenes am vereinbarten Ort, welches, wie Du mit bestimmt zustimmst, ein außergewöhnlich fruchtbares war, sowie an jenes am Wochenende, wo wir nebst boboistischer Feierlichkeiten noch den einen oder anderen Punkt weitertragen konnten. Von meiner Warte aus entwickeln sich die besprochenen Punkte sehr gut, erste Ergebnisse erwarte ich so um das kommende Wochenende herum.

Hast Du es schon gehört? Wir haben Krieg! Die Kollegen von Anon (Operations) attackieren die großen (digitalen) Finanzdienstleister für deren Sabotage des Betriebs von Wikileaks. Wahrlich, mein Freund, wir erleben hier vielleicht den Beginn von etwas ganz Großem. Man sprach den Communities im Netz immer die Disziplin und die Courage ab, sich aufzustellen und die Agenden selbst in die Hand zu nehmen. Diese Kritiker sollten jetzt eines Besseren belehrt sein. Zu Tausenden richten sie ihre virtuellen Waffen auf das (virtuelle) Kapital und lassen ein digitales Stahlgewitter auf die reaktionären Kräfte, die unsere offene Gesellschaft unterwandern, herabregnen; pausieren nur, wenn ein neues Ziel anvisiert wird. Ich bin wahrlich stolz auf unsere Brüder und Schwestern, die wie ein Mann vor Assange und seinem Team stehen. Es zeigt auch, warum die Piratenparteien weitgehend scheitern: Deren Anhänger und Symphatisanten glauben weitgehend nicht mehr an diese korrupte, verreckte Demokratie und dass man sie mit ihren Spielregeln ändern kann.

Wenn dieser Krieg, der erste Informationskrieg, weiterläuft und das Establishment klein beigibt, dann haben wir die Chance, uns als die zweite globale Macht zu etablieren. Ja, die Zweite! Seit dem Wegfall der Sovietunion gibt es faktisch neben der USA keine global agierende Supermacht mehr. China tanzt mit den USA den Totentanz des Kapitals, alternierend beweisen sie uns, dass es für die Zukunft, an der sie arbeiten, keine Freiheit mehr gibt, nur Unterdrückung und Unterhaltung.

Was wir hingegen schaffen ist ein Aufbegehren von Menschen, die keine Grenzen kennen, keine Staaten oder Nationalitäten und keine Ideologie als die der Freiheit des Einzelnen! Wir haben das Recht zu wissen, was in den Cables steht, die Regimes fürchten doch nur, dass ihre bröckelnde Maske endgültig zerspringt. Was die Linke in Jahrzehnten nicht geschafft hat, brachten Wikileaks und seine Aktivisten in weniger als fünf Jahren zustande: Das System ad absurdum zu führen. Falls Du noch einen guten Weg suchst, an den Kämpfen teilzunehmen oder weitere Aktivisten briefen möchtest, hier findest du die relevanten Informationen, die Waffen, die Organisation.

Es darf jetzt kein Zögern mehr geben. Dieser Infokrieg, diese virtuellen Feuerstürme dürfen nicht ruhen, eher das Ziel nicht erreicht ist. Denn versagen wir, werden die langfristigen Konsequenzen verheerender sein, als wir es uns jetzt zu fürchten wagen.

O. Pryde, 9.12. 2.010

Abgelegt unter wikileaks anon infowar digitalguerilla global superpower

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Freund!

Dein kleines Bastelexperiment habe ich mit Erheiterung genossen. Erst im dritten Absatz erkannte ich Hitler’s Apell an die Nation als die Grundlage deiner Arbeit, aber du zeigst sehr schön und eindeutig, dass Pixel genau so geduldig sind wie Papier.

Die Demonstration am Samstag war… geteilt. Einerseits war es schön, die zarten Triebe der Zivilgesellschaft in diesem durch und durch zerfressenen Land zu erleben, andererseits war es natürlich für die Fische. Die kosmetischen Zusagen unserer gewählten Volksverräter sind nur Chimäre, nur Blendwerk, um uns zu davon abzuhalten, hinter die Fassaden des potemkinschen Dorfes, in dem wir leben, zu schauen. Denn dann würden wir merken, dass die ganze schöne Sage von sozialer Marktwirtschaft und Demokratie und Mitbestimmung und Gleichheit und Freiheit eben nur ein Ammenmärchen ist. Wir wurden immer schon belogen, mein Bruder. Die ganze Welt, in der wir leben, ist eine Erfindung ethikfreier, gieriger Schweine, die uns für das Privileg, von ihnen unterdrückt zu werden, teuer bezahlen lassen.

Ich war bis vor Kurzem noch der Meinung, die Zeit zu handeln wäre noch nicht reif. Aber die Frechheit, mit der die Diebe und Mörder, die uns beherrschen, inzwischen vorgehen, zwingt mich, dir und deiner Ungeduld recht zu geben. So darf, so kann, so wird es nicht weitergehen. Hast du den Text zur isländischen Demokratiebewegung gelesen, den Marco geschrieben hat? Da denkt er über die Problematik nach, Freiheit und Mitbestimmung in einer Gesellschaft zu etablieren, die von Parteien und anderen mafiösen Vereinigungen unterwandert wurde. Und vor genau dieser Frage stehen wir auch. 

Wir müssen den Gedanken, dass alle Systeme, die wir dulden - von der Politik bis zur Wirtschaft - dem Volk dienen und unter seiner Kontrolle stehen müssen. Und diese Widerbelebung wird nicht durch Worte allein passieren. Und so sehr der Wunsch, alle Bastionen der Unterdrückung und Kontrolle anzuzünden, in mir auch brennen mag, solange es möglich ist (und noch ist es das!) muss unser Kampf unblutig passieren. Wir müssen zeigen, dass wir über die dumpfe Gewalt, die sie uns androhen, erhaben sind. So entwaffnen wir die Staatsgewalt. Und falls sie doch dümmer sind, als du erwartest, dann werden wir ihnen die Hölle zeigen.

Es ist Zeit. Lass uns den ersten Schritt in Richtung Freiheit gehen. Wir sehen uns diese Woche am vereinbarten Ort und schmieden.

kewagi, 29.11.2010

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Mein treuer Kamerad!

 

Wie du weißt bin ich ein großer Freund der Bricollage. Ich zerlege Dinge gerne und setze sie wieder zusammen, wie ich es für passend erachte. Daher wage ich in diesem Brief ein kleines Experiment! Kennst Du die Basis des nachfolgenden Textes?

„Über zwei Jahre hat das Schicksal den heutigen Machthabern zu ihrer Erprobung und Bewährung zugemessen. Das schärfste Urteil sprechen sie sich aber, indem sie durch die Art ihrer heutigen Propaganda das Versagen ihrer Leistungen selbst bekennen. Sie wollten einst Österreich für die Zukunft besser regieren als in der Vergangenheit und können als Ergebnis ihrer Regierungskunst in Wirklichkeit nur feststellen, daß Österreich und das österreichische Volk noch immer leben.

Sie haben in den Novembertagen ‘08 feierlich versprochen unser Volk, und insbesondere den Mittelstand einer besseren wirtschaftlichen Zukunft entgegenzuführen. Sie können heute, nachdem sie nahezu zwei Jahre Zeit zur Erfüllung ihres Versprechens hatten, nicht einen einzigen Sub-Management-Berufsstand als Zeugen für die Güte ihres Tuns anführen. Der Student verelendet, der Mittelstand ruiniert, die sozialen Hoffnungen vieler Millionen Menschen vernichtet, ein Drittel aller im Erwerbsleben stehenden Männer und Frauen ohne Arbeit und damit ohne Verdienst, der Bund, die Kommunen und die Länder überschuldet, sämtliche Finanzen in Unordnung und alle Kassen leer. Was hätten sie überhaupt noch mehr zerstören können? Das schlimmste aber ist die Vernichtung des Vertrauens in unserem Volk, die Beseitigung aller Hoffnungen und aller Zuversicht. In zwei Jahren ist es ihnen nicht gelungen, die in unserem Volk schlummernden Kräfte irgendwie zu mobilisieren. Im Gegenteil.

In ihrer Angst vor dem Erwachen der Nation, haben sie die Menschen gegeneinander ausgespielt, die Stadt gegen das Land, den Angestellten gegen den Beamten, den Handarbeiter gegen den Arbeiter der Stirne, den Linken gegen den Rechten, den Studenten gegen den Arbeitslosen und so fort und umgekehrt. Der Aktivismus unserer Bürger wurde nur im Inneren verbraucht, nach außen aber blieben Phantasien übrig, phantastische Hoffnungen auf Kulturgewissen, Menschenrecht, Weltgewissen, Landeskonferenzen, EU, Abschiebungen, Kapital, mediale Solidarität und so weiter, und die Welt hat uns dementsprechend behandelt. So ist Österreich langsam verfallen und nur ein Wahnsinniger kann hoffen, daß die Kräfte, die erst den Verfall herbeiführten, nunmehr die Wiederauferstehung bringen könnten. Wenn die bisherigen Parteien Österreichs ernstlich retten möchten, warum haben sie es dann nicht schon bisher getan? Haben sie aber Österreich retten wollen, weshalb ist es unterblieben? Haben die Männer dieser Parteien es ehrlich beabsichtigt, dann müßten ihre Programme schlecht gewesen sein. Waren aber ihre Programme richtig, dann können sie selbst es nicht aufrichtig gewollt haben oder sie waren zu unwissend oder zu schwach. Nun, nach zwei Jahren, da sie alles in Österreich vernichteten, ist endlich die Zeit ihrer eigenen Beseitigung gekommen. Ob die heutigen parlamentarischen Parteien leben, ist nicht wichtig, aber notwendig ist es, daß verhindert wird, daß die österreichische Nation vollkommen zugrundegeht.

Vor Jahren wurden wir Anarchisten verspottet und verhöhnt, heute ist unseren Gegnern das Lachen vergangen. Eine gläubige Gemeinschaft von Menschen ist erstanden, die langsam die Vorurteile des Klassenwahnsinns und des Standesdünkels überwinden wird. Eine gläubige Gemeinschaft von Menschen, die entschlossen ist, den Kampf für ihre Haltung und ihre Mitmenschen aufzunehmen, nicht weil es sich um Linke oder Rechte, Wiener oder Tiroler, Studenten oder Arbeitslose, Arbeiter oder Beamte, Bürger oder Angestellte und so weiter handelt, sondern weil sie alle Menschen sind. Mit diesem Gefühl der unzertrennlichen Verbundenheit ist die gegenseitige Achtung gewachsen. Aus der Achtung aber kam das Verständnis, nach dem Verständnis die gewaltige Kraft, die uns alle bewegt. Wir Anarchisten marschieren daher auch in jede Wahl hinein, mit dem einzigen Bekenntnis, am nächsten Tage die Arbeit wieder erneut aufzunehmen für die innere Reorganisation der Intelligenz. Denn nicht um Mandate oder Ministerstühle kämpfen wir, sondern um den Menschen, den wir wieder zusammenfügen wollen und werden, zu einer unzertrennlichen Schicksalsgemeinschaft. Der Allmächtige, der es bisher gestattete, daß wir in vielen Jahren von 2 Mann zu Tausenden wurden, wird es weiter gestatten, daß aus den Tausenden dereinst ein freies Volk wird. An dieses Volk aber glauben wir, für dieses Volk kämpfen wir und für dieses Volk sind wir wenn nötig bereit, so wie die Tausende der Kameraden vor uns, uns einzusetzen mit Leib und mit Seele. Wenn die Bewegung ihre Pflicht erfüllt, muß dann einst ein Tag erstehen, der uns wiedergibt eine Welt der Ehre und Freiheit, Arbeit und Brot.“

Ist es nicht interessant, wie austauschbar Worte sind? Ein paar kleine Korrekturen und die Botschaft ist eine völlig andere. Seit Jahrzehnten fallen leere Worthülsen, wo bleibt die Tat? Ich werde ungeduldig. Du warst ja auf dieser Demonstration am Samstag, wie ist es euch ergangen? Denkst Du, ihr habt etwas bewegt?

Ich denke nicht.

Die Demonstration ist ein probates Mittel seinen Unmut kund zu tun - sofern das Regime das erlaubt! Ist das nicht zynisch, dass jenes Regime, welches die Verfassung, auf der das Demonstrationsrecht basiert, erschaffen hat, die selben sind, die erlauben dürfen, ob man gegen sie aufstehen darf? Denen ist es doch egal, ob vor ihren Toren 10 oder 10.000 stehen - Solange nur gerufen wird, verhallt der Zorn ungehört in den Hallen der Administration.

Als ich im September Alec Empire für VICE interviewed habe, sagte er den passenden und klugen Satz: „Die Regierung administriert das Volk, nicht umgekehrt.“ Damit hat er völlig recht. Das Volk hat vergessen, dass sie die Macht über die Regierung haben, nicht umgekehrt. Was würde das Regime denn machen wollen? Das Militär schicken? Um das eigene Volk zu beschiessen? Für so dumm halte nicht einmal ich sie.

Kamerad, es ist an der Zeit zu handeln. Wir müssen konkrete Pläne schmieden, wie wir das Konzept umsetzen und in den nächsten Jahren unbeirrbar zum Erfolg führen, dass die Angstmacher und Blender verjagt werden und freie Menschen aus der Asche erstehen. Wie gesagt, ich werde ungeduldig, da ich schon viele Jahre auf eine Möglichkeit warte, endlich anzupacken.

O. Pryde, 28.11. 2.010

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Mutter Courage!

Die Audimax-Erlebnisse, von denen du erzählst, habe ich auch live miterleben müssen. Es war unendlich frustrierend, aber wie ich schon in einem früheren Brief geschrieben habe, das einzige Problem war die Absenz der Erkenntnis, dass alle am gleichen Strang ziehen, den sie dem Monstrum um den Hals legen wollen, und so diskutierten sie bis zur Räumung über die Farbe und das Material besagten Stranges. Frustrierend, aber ich denke, am Anfang sieht kollektive Arbeit so aus, wenn man keine Adhocratie einführt.

Die Unsichtbarkeit ist einer der wirklich wichtigen Punkte - auf der einen Seite braucht es wohl, zumindest zu Beginn, Gallionsfiguren, die für die Sache sprechen, sie verteidigen und ihre Glut schüren, aber es bedarf auch einer quasi-anonymen Armee, die mitspielt. Du kannst dir sicher denken, auf welche Gruppe ich anspiele - wenn wir etwas in dieser Bauart, nur weniger infantil und mehr zielorientiert schaffen, dann haben wir gewonnen.

Learn to become invisible.

In ein paar Tagen werde ich in meinem Blog auf eine kommende Aktion verweisen - ich denke, sie wird dir gefallen, und wenn sie Erfolg hat, haben wir schon ein erstes Etappenziel. Ausserdem lese ich gerade etwas, das dich begeistern dürfte - aber das besprechen wir lieber über einen sicheren Kanal, bevor wir hier darüber diskutieren.

Auch meine Zeit ist momentan leider etwas knapp, trotzdem würde ich dringend vorschlagen, dass wir uns Zeit für einen Kaffee nehmen und das weitere Vorgehen besprechen.

Im Namen der kommenden Welt!

kewagi, 25.11.2010

Abgelegt unter unsichtbarkeit audimax kollektiv

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Herr Karl!

Natürlich endet die Zeit des Philosophierens nicht - sie endet nie! Letztlich war es aber genau das, was ich bei der Unibrennt-Bewegung immer angeklagt habe: Im Castingshow-Artigen Plenum wurden die unwichtigsten Dinge besprochen, das eigentliche Ziel weichte immer mehr parteipolitischem Geplänkel. Volksfront von Judäa oder doch die Judäische Volksfront? Das darf uns nicht passieren und jeden Ansatz muss man sofort im Keim ersticken.

Dutschke ist mir von der Methode her tatsächlich sehr nahe. Ich denke jedoch mehr klandestinen Mustern: Niemand muss wissen, wer zu „uns“ gehört und wo er sitzt. In welche Funktionen wir uns vorgearbeitet haben, wie wir das System unterwandern - das bleibt Interna. Die Zeiten haben sich geändert, wenn man erfolgreich ein System untergraben will, muss man das im Schatten tun. Hat man diese wichtige Spielregel unserer Zeit verstanden, kann man alles erreichen, wenn man nur den Mut dazu hat.

Mein lieber Freund, ich muss hiermit auch schon wieder schließen. Meine Zeit ist momentan sehr begrenzt, aber das ist ja kein Zustand für die Ewigkeit.

Kallisti!

O. Pryde, 24.11. 2.010

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Bruderschwester!

Ich gebe dir recht, die brennenden Straßen würde ich zwar sozialromantisch und als Zigarettenanzünder nützlich finden, aber es würde die Bewegung, in der wir uns befinden, nur verlangsamen. Wo wir von Feuer reden: Hör dir diesen zukunftsträchtigen, vielschichtigen Song an.

‘An der Flamme eures Hasses (zünde ich mir eine Kippe an)’ nennt ihn der gute Thees. Das hat etwas von gewaltfreiem Widerstand, von selbstbewusster Intelligenz, die sich von simpler negativer Kraft nicht aufhalten lässt. Das hat etwas von Verstand. Hiermit ernenne ich also diesen Song zur unsicheren, noch nicht auf eigenen Füßen stehenden Hymne unserer Aktion, solange, bis wir eine noch bessere Melodie finden.

Der Weg, den du beschreibst, klingt sehr nach dem, was Dutschke gefordert hat - dem Marsch durch die Institutionen. Ich bin ein großer Freund dieser Idee, aber ihr erster Versuch durch die 68er hat gezeigt, dass das Establishment sehr gut darin ist, aufstrebende KämpferInnen zu korrumpieren. Daher müssen wir überlegene Strategien zur Abwehr dieser Verfälschung entwickeln und implementieren, bevor wir uns auf den Weg machen, sonst sind wir genau so verdammt wie unsere Vorläufer. Die haben ganz klar viel bewegt, aber die Revolution kam nie an.

Und der reaktionäre Backlash war und ist mehr als fürchterlich. 

Die Zeit des Organisierens rückt näher, aber ich denke, die Zeit des Philosophierens endet nicht -  denn so wie es eine permanente Revolution braucht, muss auch eine permanente Diskussion darüber stattfinden, sonst enden wir in der Einbahn, in der schon der Stalinismus gegen die Wand gekracht ist, nachdem er Millionen Menschen überfahren hat. Damit wir eben aus dem Teufelskreis unserer Vorfahren ausbrechen können, dürfen wir diesen einen Fehler unserer Ahnen - das ‘Entweder reden oder handeln’ nicht wiederholen. Wir müssen die Vereinigung dieser Prinzipien werden und sie immer bewahren, denn nur in der Kombination aus Aktion und Kontemplation liegt die Chance auf eine freie, wahre, werte Welt.

Nichtsdestotrotz, die Zeit, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln, rückt näher. Wir werden Kanäle etablieren, um die nächsten Schritte zu besprechen, durchzuführen und dann zu feiern.

Nun muss ich los, der Stoff fängt an zu wirken.

Innig,

kewagi, 19.11.2010

Abgelegt unter musik revolution zukunft tomte